Vergangene Wortliebe

09. 01. 2011

Lieblingswörter zu haben mag so albern sein, wie zu einer gewissen Zeit seine Lieblingsschauspieler, Lieblingsmusiker oder bestimmte Filme zu verehren, je nach Lebensalter, Laune oder Mode. Sie wechseln häufig, verschwinden sogar, werden durch ihre eigenen Anspruch lächerlich. Das muss nicht für Lieblingsorte gelten, die mit eigenem Leben verbunden sind, mit Erfahrung und Sinnlichkeit.
Ähnlich wie mit den Orten mag es mit den Worten gehen, wir haben sie in den Büchern oft erfahren wie Orte, und manchmal genügte nur das Fallen eines Wortes, um eine ganze Literatur wach zu rufen. Das Meer, die Sonne und Camus. Zum Beispiel. Sie stehen für eine Welt, die wartet.
Die Zeit der Lieblingsfilme und Schauspieler, der Musiker und anderer Öffentlichkeitsmenschen ist geblieben, sie ist noch weiter und beliebiger geworden. Niemand, außer einiger Dichter, lebt noch so sehr in der Sprache, dass er sich in bestimmte Worte verliebt. Worte, die ihm auf geheimnisvolle Weise nahestehen und von denen man glaubt, dass sie in der Lage wären, etwas zu erklären, von der eigenen Person zu erklären, so wie die ziellose Liebe zu einem fremden Schauspieler etwas erklären sollte, aber dank der unerbittlichen Zeit in sich zusammenfällt.